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von Miriam Betz
(Kommentare: 0)

Seminar am 17.+18. März 2018 in Königsbrück: Bojutsu und Nyumon

von Andi

 

Auf den Seminaren tummeln sich immer dieselben Leute: Manche stehen kurz vor einer Graduierung und nutzen jede Gelegenheit, um mit Olaf zu üben. Naja, sie müssen auch, wenn sie graduieren wollen. Andere haben schon einen Dan-Grad oder sogar den zweiten oder mehr, und sind auch immer da, um von Olaf sowie auch voneinander zu lernen. Andere Seminarteilnehmer, wie ich, sind Jahre von einer hohen Graduierung entfernt, und kommen trotzdem ab und an dazu. Mich hat diesmal das Ausschreibungsthema angelockt: Morgens die Bo-Kata „Shirotaro no kon“ und die Bo-Partnerform „Peichin Kumibo“ lernen. Und mittags Nyumon, „Grundschule“. Bo macht Spaß und bei Nyumon gibt es immer was zu lernen oder zu verbessern, auch wenn man die Form schon kann.

Äh… Schon kann? Wann kann man denn eine Form? Und kann man eine Form überhaupt können?

Bedeutet Können, eine Form so vorzuführen, dass ein anderer Karateka diese erkennen und benennen kann? Oder bedeutet Können, ganz viele Details (die ein Anfänger im Sinne einer didaktischen Reduktion noch gar nicht alle gezeigt bekommt, und die man ihm erst im Laufe der Zeit an die Hand gibt) bewusst zu beachten? Oder ist Können, wenn man dieses „Beachten“ bereits überwunden hat, also die Details nach einigen Jahren der Übung nicht mehr bewusst beachtet, sondern sie so in die Bewegung integriert hat, dass sie automatisch ablaufen? Und andersherum, was ist, wenn man eine Form schon seit Monaten nicht mehr geübt hat? Besteht dann nicht die Gefahr, Details auch wieder zu vergessen? Wenn man die Form seit Langem mal wieder übt und feststellt, dass der Ablauf klemmt? Sind die Details dann mit weg?

Und was ist, wenn man auf ein Seminar fährt und eine Form drankommt, die man schon recht gut zu „können“ glaubte, und mit neuen Details nach Hause kommt, die so schlüssig erscheinen, dass man sich fragt, warum man das nicht schon vorher bemerkt hat? Auf diesem Seminar war dies für mich bei Heishu-waza der Fall. Neu im Kopf:

Frontal stehen vor 1. Empi,

Koordination Aufwärtshaken + Füße gyaku,

„Shuffle-Fuß“ vor dem Kniestoß,

„Schiebe-Hand“ auch gegen den Hals möglich.

Wenn ich jetzt also solche neuen Details in eine Form integriere, indem ich die Form am Seminarort 30 mal übe und zu Hause und im Dojo im Laufe der Zeit noch öfter, natürlich wird dann die Form besser. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass ich Details wieder „vergesse“ – das könnte übrigens auch heißen, dass man eine Bewegung schon noch ausführt, man aber nicht mehr weiß, warum man die Bewegung eigentlich genau so macht – das Detail würde dann beliebig austauschbar.

Wichtig erscheint mir dies besonders, wenn man ein solches Detail nicht nur in einer einzigen Form braucht, sondern es eher ein Prinzip ist, das sich auf alle möglichen Situationen anwenden lässt. Also auch auf andere Formen. Wenn ich das Detail dann so „verstanden“ habe, dass ich es auch in anderen Formen bzw. Situationen benutze, dann sieht nicht nur mein Heishu-waza besser aus, sondern mein Karate ist insgesamt besser geworden.

„Kann“ ich die Form jetzt? Vielleicht besser, ja. Perfekt nie. Dazu kommt: Auf dem nächsten Seminar kann plötzlich diskutiert werden, ob ein Detail nicht genau andersherum richtig sei. Ja was denn nun? Aha, „es kommt darauf an“, heißt es dann, denn der Angreifer könnte ja auch… (z. B. mehr von vorne kommen, mittendrin noch treten, breiter als hoch sein oder 180 kg wiegen). Wichtig sei, dass du alle Möglichkeiten kennst und situativ intuitiv entscheidest, wie du es machst. Hauptsache, du weißt, was du tust. Ach du je, noch mehr zu lernen… Also wieder 30 mal rauf- und runterüben und auch noch an Alternativen denken? Moment, ist das überhaupt richtig, eine vom KU-Gründer festgelegte Form „anders“ zu machen? Warum heißt es Nyumon, warum lernen wir es als Anfänger genau so und nicht anders, und plötzlich sollen wir etwas anders machen? Weil wir an diesem Punkt, an dieser Stelle, kein Anfänger mehr sind, sondern auf dem Weg uns langsam weiterzuentwickeln?

So weit, so ermutigend. Nächste Frage. Warum entwickelt man sich in anderen Dingen überhaupt nicht weiter, warum tritt man auf der Stelle? Wie soll man Angewohnheiten wegbekommen, die immer wieder durchkommen? Dauerthemen:

Blickrichtung beim Üben: nicht nach unten, sondern nach vorne schauen;

Schultern: nicht hochziehen, sondern locker lassen, immer nur bei der konkreten Technik anspannen;

Atmung: nicht anhalten, sondern fließen lassen.

Wie das jetzt gehen soll, dies alles permanent richtig zu machen, weiß ich nicht, aber sich solcher Dinge bewusst zu sein und es immer wieder zu versuchen, erscheint mir der erste richtige Schritt zu sein.

Der zweite Schritt könnte sein, es aktiv zu üben. Weil man sich aber nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren kann (auch Ihr nicht, liebe Damen ;-)), könnte man immer dann daran arbeiten, wenn der Kopf gerade relativ frei ist. Also dann, wenn man z. B. Formen übt, bei denen man weniger über den Ablauf nachdenken muss, weil man diesen bereits im Körper abgespeichert hat. So jedenfalls mein Vorsatz für die nächste Zeit.

Zurück nach Königsbrück:

Samstagsmorgens also die Bo-Kata „Shirotaro no kon“ und sonntags die Bo-Partnerform „Peichin Kumibo“ gelernt? Äh… nein. Weder das eine noch das andere, denn so weit kam es gar nicht. Verbessert: Griffwechsel, Fußarbeit, Schläge und Stöße, einige Solo- und Partnerdrills. Danke hier vor allem an den geduldigen Hendrik, aber auch an Christian und Lutz. Allgemein und immer natürlich danke an Olaf, heute vor allem mal dafür, sich partout nicht werfen zu lassen. Für Heishu-waza besonderen Dank an Felix, für die Tegumis und die Schlussübung an Steve. Locker, ja, locker, danke, genau, stimmt ja…

Weitere Themen aus diesem Wochenende – teils kurz und knackig beantwortbar, teils jeweils längere eigene Betrachtungen wert, aber hier und heute allenfalls im Geiste beantwortet:

Ist das mit dem Locker-Bleiben eigentlich bei Partnerformen genauso? Wie einfach dürfen wir es unserem Partner machen, wenn das alles „im Ernstfall“ was bringen soll? An welchen Stellen akzentuieren?

Wieviel ist eigentlich 250, und sind erneute 250 genauso wenig?

Wer ist die wichtigste Person im Dojo?

Wer hat (k)ein Patch?

Was ist die Holzhacker-Methode und ist sie vielleicht ein Stil?

Wofür brauchen wir kyu-Grade, oder würde uns eine Einteilung in Weiß- und Schwarzgurte genügen?

Soll ich als Anfänger denn überhaupt auf Seminare gehen?

Nutzen mir Seminare mit „Insel-Themen“ etwas, d. h. Themen, die man mal auf einem Seminar behandelt, die aber im weiteren Training nicht wieder aufgegriffen werden?

Geht jemand sonntags nach dem Seminar noch ins Dojo?

 

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